Kämpfen für die globale Perspektive

Richard Solder, Chefredakteur des Magazins Südwind, zu Gast beim Freischreiber-Stammtisch

Freie Journalistinnen und Journalisten leben oft von der Hand in den Mund und müssen mit knappem Budget und Unsicherheit umgehen lernen. Das kann aber auch Medien mit langer Tradition und angestellten Redakteurinnen und Redakteuren drohen.
Das entwicklungspolitische Magazin „Südwind“, 1979 mit finanzieller Förderung des Außenministeriums gegründet, erfuhr Ende 2016, dass die zuständige Austrian Development Agency die Zahlung der 230.000 Euro an jährlichen Fördermitteln für die Monatszeitschrift einstellt. Offizieller Grund war die Gefahr der „Wettbewerbsverzerrung“ in der EU. Tatsächlich dürfte es wohl die verspätete Reaktion auf einen kurzen Artikel im Juni 2015 gewesen sein, in dem erklärt wird, was Flugzeugpassagiere tun können, wenn ein Mitreisender zur Abschiebung gezwungen wird.
Beim Freischreiber-Stammtisch im Februar 2019 erzählt unser Gast Richard Solder, der im Oktober 2016 den Posten als Südwind-Chefredakteur übernommen hat, über die dramatischen Wochen und Monate mit der ständigen Angst vor dem Aus. Durch Personal- bzw. Arbeitszeitkürzungen, eine Reduzierung der Ausgaben von zehn auf sechs, und dank eines starken solidarischen Zuwachses an Abos konnte das Magazin weiterarbeiten. Der Stress sei aber für alle sehr belastend gewesen, erzählt Solder, der seit 2013 bei Südwind ist und davor als Freier für die Wiener Zeitung und die Medien-Servicestelle Neue ÖsterreicherInnen gearbeitet hat.
Dabei ist das Südwind-Magazin ein wichtiges Medium, wenn es um die Beleuchtung der „blinden Flecken“ der Welt geht. So findet man im aktuellen Heft einen Artikel über den gesellschaftlichen Aufbruch in Äthiopien, die Wirtschaftskrise in Argentinien oder Naturschützer in Indien. Aufgrund dieser thematischen und geographischen Bandbreite arbeitet das Magazin großteils mit Freien und es ist wichtig (Stichwort Relotius), dass sich die Redaktion auf deren Arbeit verlassen kann. „Die Qualitätskontrolle geschieht aber auch durch unsere Kontakte zu NGOs, die sich sofort melden würden, wenn etwas nicht stimmt“, sagt Richard Solder.
Wer eine interessante Reise oder einen längeren Aufenthalt in einem Land plant, das selten in den Medien vorkommt, oder eine spannende Geschichte auf einer Reise entdeckt, sollte bei der Suche nach Kunden jedenfalls an das Südwind-Magazin denken.
Was wünscht Richard Solder sich von freien MitarbeiterInnen und was ist anstrengend? „Wir redigieren viel. Da gibt es dann oft lange Diskussionen mit freien Mitarbeitern.“ Bei einem Magazin, das sich für ein faires Verhältnis zwischen Nord und Süd engagiert, ist es eben auch wichtig, eine sensible Sprache zu pflegen. Bei manchen ist das Redigieren aber offenbar auch deshalb unvermeidlich, weil sie wesentlich längere Texte schicken, als bestellt wurde, verrät Solder. Das sollte generell nicht sein, sagen wir als Freischreiber, schon gar nicht bei einer Redaktion, die aus politischen Gründen finanziell unter Druck steht.
Deshalb hier noch ein kleiner solidarischer Aufruf: Jedes zusätzliche Abo hilft dem Magazin und damit wieder den freien und angestellten MitarbeiterInnen.
Solidarität kann man auch beim traditionellen Südwind-Straßenfest zeigen, das heuer am 18. Mai im Alten AKH stattfindet. Dort kann man Richard Solder auch persönlich treffen.

www.suedwind-magazin.at

www.suedwind.at/wien/suedwind-strassenfest/