Zertifikatskurs Digitaljournalismus am FJUM: Was ich persönlich mitnehme

Journalistisches Arbeiten ist und wird immer mehr digitales Arbeiten. Dafür brauchen Journalist*innen das dementsprechende Rüstzeug. Der Zertifikatskurs Digitaljournalismus am fjum will dieses zur Verfügung stellen. Die Bandbreite reicht dabei vom crossmedialem Storytelling, über die Online-Recherche bis hin zum Mobile Reporting. Im Oktober 2018 startet der nächste Lehrgang. Die zwei Absolventinnen und Freischreiberinnen Anita Arneitz und Katharina Kunz erzählen von ihren Erfahrungen.

 

Anita Arneitz

 

Anita Arneitz

© Monika Zore-Luh

Meine persönlichen Learnings aus dem Zertifikatskurs Digitaljournalismus liegen vor allem auf der handwerklichen Ebene. Ganz konkret betrifft dies auch das Ausprobieren von neuen Tools und Möglichkeiten. Gerade für journalistische Projekte sehe ich durch das Wissen aus dem Lehrgang neue Anknüpfungspunkte. Durch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Expertenmeinungen und Entwicklungen glaube ich ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, worum es der Zukunft geht und kann bei Trends mitreden. Ich konnte einen guten Überblick gewinnen und sehe Digitalisierung nach wie vor nicht als Feind, sondern eine Chance. Die Veränderung lässt sich sowieso nicht aufhalten, daher lieber die eigene Energie in die Weiterentwicklung stecken und offen sein für Neues. Durch die vielen unterschiedlichen Workshops habe ich jede Menge neue Ideen, die sich auch als freie Journalistin gut umsetzen lassen. Aber Digitalisierung ist für mich vor allem auch Teamarbeit. Deshalb sollten freie Journalisten ruhig den Mut haben, selbst digitale Projekte in Kooperation mit Kollegen anzudenken und umzusetzen. Damit das aber funktioniert, muss man sich vom alten Berufsbild des freien Journalisten lösen. Um als freier Journalist erfolgreich zu sein, braucht es nicht nur ein hervorragendes journalistisches Handwerk, dieses bleibt noch lange die Basis fu?r alles, sondern insbesondere den Mut die Zusammenarbeit mit Redaktionen neu zu denken und anders zu gestalten. Die Digitalisierung kann dabei unterstützen.

 

Katharina Kunz

 

Portraifoto Katharina Kunz

© Katharina Kunz

Ich war zu Beginn sehr skeptisch, was Digitaljournalismus betrifft und muss sagen: mich haben der Lehrgang und die Auseinandersetzung mit unserer beruflichen Zukunft optimistisch gestimmt.

„Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert.“ prognostizierte etwa Romanus Otte vom Axel Springer Global Network. Seiner Einschätzung nach bleibt aber der Produktkern des Journalismus unverändert, die Herausforderung werde sein, für denselben Produktkern neue Modelle zu finden.

Im Grunde zählt die Geschichte – das war immer wieder Thema, und das ist beruhigend. Erfreulicherweise haben wir im Rahmen des Zerdi auch neue Mittel kennengelernt, um unsere Geschichten zu erzählen. Die frei wählbaren Module decken sämtliche Felder von Podcast über Datenjournalismus bis Foto und Video ab – eine gute Gelegenheit in andere Bereiche hinein zu schnuppern und den neuesten Stand der Technik kennenzulernen. Zu dem Überblick über Möglichkeiten und Machbarkeit wurde uns das beruhigende Gefühl vermittelt, dass wir nicht alles selbst können müssen.

Die Lehrgangswochen und die Projektarbeit im Team sind durchaus fordernd, aber für Freie vielleicht sogar besser einzuteilen als für Angestellte. Reflexion, Austausch, Teamarbeit, Netzwerken, Einblick in Redaktionen und Forschungslabs – alles Dinge, die im Freiendasein mitunter leiden und im Zerdi gut ausgelebt werden können.