Beruf Ghostwriter/in: Schöpferin im Schatten oder der beste Beruf der Welt?

Ghostwriterin und Autorenberaterin Daniela Pucher war zu Gast beim Freischreiber-Stammtisch am 28. September 2016.

Freischreiber-Stammtisch: umringt von herabhängenden Rädern im Radlager

Bild: Sabine Karrer

Im Hinterzimmer des Radlager Palazzo verriet die vielfache Sachbuchautorin, dass sie vor 15 Jahren mit kürzeren Textarbeiten in die Selbständigkeit eingestiegen ist und seit 2009 ghostet. Weil sie sich gerne vertieft , gerne viel Platz hat und Dinge erklärt, ist Bücherschreiben für sie der „beste Job der Welt“. Ein Ghostwriter ist jemand, der im Namen des Autors/der Autorin schreibt, als hätte er oder sie es selbst geschrieben.

Als Ghostwriterin für die Themen Wirtschaft und Psychologie ist sie die gut abgegrenzte Schreibexpertin und auch Beraterin für strukturelle Fragen bzw. die Positionierung am Markt. Der Autor oder die Autorin ist die (hoffentlich) sprudelnde Wissensquelle, die den Inhalt zur Verfügung stellt. Als Ghostwriterin versetzt sie sich beim Schreiben so gut es geht in den Typus des Autors oder der Autorin hinein.

Ghostwriterin Daniela Pucher (rechts) beim Freien-Stammtisch.

Ghostwriterin Daniela Pucher (rechts) beim Freien-Stammtisch. Im Bild links: Journalistin Astrid Kuffner. (Foto: Sabine Karrer)

Der Entstehungsprozess eines Sachbuches gleicht bei ihr einem sehr langen und sehr hartnäckigen Interview. Anrüchig ist der Job ganz und gar nicht: Es ist legal für jemanden zu schreiben. Viele legen die Zusammenarbeit heute auch im Buch offen. Vor allem beim akademischen Ghostwriting tun sich aber Graubereiche auf: Nicht legal ist es für den Auftraggeber, das Werk als sein eigenes auszugeben, wenn dies für die Erreichung eines wissenschaftliches Diplom geschieht.

Wie man eine seriösen Verlag erkennt,  wo die Einschränkungen und wo die Freiräume liegen, der Ablauf eines gelungenen Buchprojekts mit geplanten Exitszenarien, Schattenseiten des Ghostwritings, eine angemessene Bezahlung, Vertragsgestaltung, Verschwiegenheit, Werknutzungsrechte und der Kampf um die eigene Sprache waren Themen des Abends. Daniela Pucher beantwortete offen und geduldig alle unser Fragen. Danke dafür! Und falls jemand mit einem eigenen Buchprojekt schwanger geht: Nur zu! Daniela Pucher coacht auch AutorInnen- vor allem in der schwierigen Anfangsphase bis zum Exposée. Ein erstes eigenes Buch ist jedenfalls eine gute Referenz für den Einstieg in den Beruf Ghostwriterin.

Text: Astrid Kuffner